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Schneider Electric will Shelly übernehmen: Das steckt dahinter

Ein bulgarischer Bastler-Liebling und ein französischer Elektro-Riese: Schneider Electric führt Gespräche über eine Übernahme der Shelly Group. Was das für Dein Smart Home bedeuten könnte.

Am 29. Juli 2026 bestätigte die Shelly Group SE per Pflichtmitteilung, was zuvor bereits Bloomberg berichtet hatte: Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric führt Gespräche über eine mögliche Übernahme. Für die Smart-Home-Community, die Shelly wegen seiner schlanken, lokal steuerbaren Relais und Sensoren schätzt, ist das eine Nachricht mit Sprengkraft. Wir ordnen ein, was bekannt ist und was das für Dich als Nutzer bedeuten könnte.

Was ist passiert?

Nach Medienberichten der vergangenen Tage musste die Shelly Group reagieren und bestätigte in einer Ad-hoc-Mitteilung vorläufige Übernahmegespräche mit Schneider Electric. Laut Bloomberg steht ein Preis von rund 70 Euro je Aktie im Raum, was Shelly auf eine Bewertung von etwa 1,3 Milliarden Euro bringen würde. Die im SDAX notierte Aktie sprang daraufhin um rund 14 Prozent nach oben.

Shelly selbst bremst die Erwartungen: Die Gespräche befänden sich in einem sehr frühen Stadium, es gebe keine Gewissheit, ob daraus ein offizielles Angebot wird und zu welchen Konditionen. Auch zu Zeitplan und Umfang einer möglichen Transaktion machten beide Unternehmen bislang keine Angaben. Zu den Verhandlungen gehören offenbar auch die Anteile der Gründer Dimitar Dimitrov und Svetlin Todorov, die zusammen mehr als die Hälfte der Shelly Group halten.

Wer ist Shelly überhaupt?

Was heute als Shelly Group SE an der Börse notiert ist, entstand 2003 in Sofia als Allterco AD, zunächst mit Fokus auf Mobilfunk- und M2M-Lösungen. 2013 startete das Unternehmen sein erstes Hausautomatisierungssystem, aus dem sich die Marke Shelly entwickelte. Bekannt wurde Shelly vor allem durch kompakte WLAN-Relais und Stromzähler, die sich ohne Zwangs-Cloud und ohne zusätzlichen Hub lokal in Unterputzdosen einbauen lassen. Genau diese Offenheit und die einfache Integration in Home Assistant, Alexa oder Google Home haben Shelly bei Bastlern, Elektrikern und Smart-Home-Einsteigern gleichermaßen beliebt gemacht.

Warum Schneider Electric?

Schneider Electric ist im Smart-Home-Bereich selbst kein Unbekannter: Unter der Marke Wiser bietet der Konzern bereits ein modulares System für Heizung, Rollladen, Licht und Energiemanagement an, richtet sich damit aber stärker an Elektrofachbetriebe und Neubauprojekte. Eine Übernahme von Shelly würde Schneider Electric zusätzlich Zugang zu einer riesigen, technikaffinen Nutzerbasis und einem der günstigsten und am weitesten verbreiteten IoT-Ökosysteme im europäischen Smart Home verschaffen. Für den Konzern wäre das ein Schritt, seine Position im Wachstumsmarkt vernetztes Zuhause deutlich auszubauen.

Was bedeutet die Shelly Übernahme für Nutzer?

Noch ist völlig offen, ob es überhaupt zu einem Angebot kommt. Sollte die Übernahme zustande kommen, dürften für bestehende und künftige Shelly-Nutzer vor allem drei Fragen im Vordergrund stehen:

Bleibt Shelly lokal und offen? Ein zentraler Pluspunkt von Shelly ist die Möglichkeit, Geräte komplett ohne Herstellercloud zu betreiben und über offene Schnittstellen anzusteuern. Ob ein Großkonzern wie Schneider Electric daran festhält oder das Ökosystem stärker an eigene Plattformen bindet, ist bislang nicht bekannt.

Was passiert mit Preisen und Support? In der Community wird bereits diskutiert, ob sich Preise und Verfügbarkeit ändern könnten. Einerseits könnte eine Anbindung an einen etablierten Elektrokonzern die Verbreitung bei Elektrikerbetrieben erleichtern, andererseits bestehen Sorgen, dass Innovationstempo und Preisniveau sich an anderen Konzernmarken orientieren könnten. Erst kürzlich hatte Shelly mit neuen Kameras und Matter-Updates gezeigt, wie schnell sich das Portfolio weiterentwickelt.

Ändert sich etwas an bereits gekauften Geräten? Kurzfristig ist nicht mit Änderungen an Firmware, App oder Funktionsumfang bestehender Shelly-Geräte zu rechnen. Übernahmegespräche in diesem frühen Stadium haben in der Regel keine unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Betrieb.

Wie geht es jetzt weiter?

Vorläufige Gespräche wie diese sind der erste Schritt in einem oft monatelangen Prozess. Bevor ein öffentliches Übernahmeangebot überhaupt möglich ist, müssen beide Seiten sich auf Kaufpreis, Struktur und Bedingungen einigen, eine Prüfung der Bücher (Due Diligence) durchführen und in der Regel auch Kartell- oder Aufsichtsbehörden einbeziehen. Da Shelly an der Frankfurter Börse notiert ist, unterliegt das Unternehmen zudem den strengen Meldepflichten des Wertpapierhandelsgesetzes, weshalb die Ad-hoc-Mitteilung überhaupt erst nötig wurde. Bis zu einem verbindlichen Angebot, sollte es überhaupt dazu kommen, können also noch Wochen oder Monate vergehen. Bis dahin bleibt vieles Spekulation, auch wenn der Kurssprung an der Börse zeigt, wie ernst Investoren die Meldung nehmen.

Unsere Einschätzung: Abwarten, aber informiert bleiben

Solange keine offizielle Einigung vorliegt, ändert sich für Dein bestehendes Setup nichts. Wenn Du aktuell über den Einstieg ins Shelly-Ökosystem nachdenkst, sprechen die etablierte Marktposition und die breite Produktpalette weiterhin für einen Kauf. Bei tink findest Du das aktuelle Shelly-Sortiment, von einzelnen Relais bis zum Starter-Set für den Energie-Einstieg.

Wer zusätzlich auf Nummer sicher gehen möchte, setzt beim Einstieg auf Matter-fähige Shelly-Geräte. Sie lassen sich unabhängig von der Zukunft der Shelly-App direkt in Home Assistant, Apple Home oder Google Home einbinden und machen Dich damit ein Stück weit unabhängiger von einzelnen Cloud-Diensten.

Fazit

Die Übernahmegespräche zwischen Schneider Electric und der Shelly Group befinden sich in einem sehr frühen Stadium, könnten aber die Smart-Home-Branche spürbar verändern. Für Nutzer heißt es vorerst: abwarten. Wir behalten die Entwicklung im Blick und aktualisieren diesen Artikel, sobald es Neuigkeiten zum Stand der Verhandlungen gibt. Ob es tatsächlich zu einer Shelly Übernahme durch Schneider Electric kommt, bleibt vorerst offen.

Marc
Marc
Marc ist seit 2019 bei tink und hat seitdem schon diverse Testberichte geschrieben. Sein Smart Home besteht überwiegend aus Produkten von Google, tado° und Philips Hue. Aber auch die Sonos-Lautsprecher haben es ihm angetan. Dank Matter erweitert er sein Ökosystem jetzt auch um eve, Aqara & Co.

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